Notkirche am 40er Grab


Willkommen in der Hütte Gottes - der Notkirche in Gestalt einer Holzbaracke, seit April 1946 hat sie den Stürmen, den Baggern und auch dem Feuer standgehalten. (1997 beinahe einer Brandstiftung zum Opfer gefallen.)

Hat Koreaner, Tamilen, evangelische und katholische Christen beherbergt, die ökumenische Schulgemeinde der Gesamtschule, und verschiedene Chöre durch die Zeiten hinweg als Proben und Konzertraum gedient. Senioren, Erwachsene, Konfirmanden, täglich ist sie ist für viele Menschen in der Umgebung die Kirche zum wohl fühlen. Besonders für Kindergartenkinder. Baudenkmal oder Bau zum imperativischen: Denk mal ?

Und damit ist sie eine Notkirche geblieben, die zur Normalkirche wurde, aber keine Normalkirche ist.

Anders als die Ludwigs- oder Schlosskirche, ist hier die Geschichte nicht als Museumsstück hängengeblieben,sie lebt und atmet durch jede Ritze weiter und entwickelt eine Eigendynamik. Genau wie die Ludwigskirche hat sie für mich aber auch eine starke theologische Ausprägung. Ist diese in der Ludwigskirche aber vom Architekten bis ins kleinste Detail theologisch durchdacht und im Raum umgesetzt, so geht die Theologische Wirkung der Notkirche aus ihrer Geschichte hervor.

Ein Waggon „Liebesgaben“, die Holzbaracke Nr. 9 Typ Schweizer Militärbaracke wird zu einem Ort des Gottesdienstes im Frieden. Damals hat sich auch niemand geschämt, so wie eine nicht aus der Umgebung stammende Dame, die, weil sie von der Verbundenheit vieler Leute nichts ahnte, meinte solch ein Ärgernis müsste doch längst ersetzt worden sein, - sondern war Dankbar für ein Dach über dem Kopf. Es gab damals nur die Deutschherrnkapelle und die Notkirche im Kreisständehaus. Ludwigs und Schlosskirche waren zerstört.

Not und Kirche, ein eigenes Thema. In der Not bekamen wir ein Geschenk, von der Lutherischen Missouri Kirche aus Amerika, auf Antrag vom damaligen Kirchenrat Wehr über den ökumenischen Kirchenrates Genf. Not herrscht auch heute noch, z.B. in der Partnerschaftskirche in Goma in der Republik Kongo. Deshalb lassen wir nicht locker Geld für diese Gemeinden zusammenzutragen. Es ist eine aus dieser Liebesgabe entstandene Herzensverpflichtung.

Mit Zahlen kommen wir dieser Kirche nicht nahe. 1946 aufgebaut, 20x9 m, für 150 Personen, Höhe weiß ich nicht. Auch nicht mit Kunstschätzen. Kein Marmor, sichtbar verlegte Leitungen, Löcher in den Wänden, Spuren der täglichen Nutzung. Echt Antik die Blechhaken an der Küchenwand - aber grade dies ist leider nicht mehr alltäglich in unseren Gemeinden.

Man spürt in ihr aber die Liebe die in ihr steckt, errichtet als eine Versöhnungsgeste, als hier noch nichts ging, ein Neuanfang im Sinne der Gnade Gottes. - Gott ist Bauherr seiner Kirche, wir sind seine Helfer.„Die wahre Zierde dieser Kirche, ist eine sich treu zum Wort haltende Gemeinde“, wie es Pfr. Eduard Heintz in seiner Einweihungspredigt sagte.

 Glocken und Orgelklang

Damals, gab es weder Glocke noch Turm, noch Orgel, noch Stühle und Tische. Öfen an den Seiten, Brennmaterial musste mitgebracht werden. (2 Gema Anthrazit Dauerbrandöfen für 30.975 Fr. abzgl. 10% Rabatt) . Ein Orgelpositiv gab es erst später. 600.000 FF bezahlte die Gemeinde für die Hintz- Orgel Einbau: 6.5.53. Die heutige Glocke (48 kg, 43 cm Durchmesser,) von der Firma Mabilon „schon die äußere Form verrät die große Kunst eines Meisters des Glockengusses“- schrieb KMD Karl Rahner am 3.4.53.

Einfache Bänke ohne Rückenlehne ermöglichten das Zusammenrücken. - aber auch das Kippen.

Und: - Es gab noch nicht einmal einen Pachtvertrag für Grund und Boden, der wurde später geschlossen. Mittlerweile gehört der der Gemeinde.

Immer noch ist sie Schlicht, aber nicht ganz ohne Zierde. Die Seligpreisungen wurden später auf die dachtragenden Balken gemalt. Die Gemeindeglieder sorgten mit ihren Bronzespenden für die Glocke, es wurde immer wieder gesammelt, für den Lagerraumanbau, die Stufung im Altarbereich, die Beleuchtung, die Lautsprecher und die Bestuhlung - alles stammt aus Spendengeldern. Als jetzt die Anstrich notwendig war kam das Geld von Menschen aus der Umgebung. In ihrer Schlichtheit zur Kirche passend, sind die Apostel - Fenster von Prof. György Lehoczky (1901-1979) dagegen schon etwas besonderes.

Der Kindergarten war lange Jahre ebenfalls in diesen Räumen und täglich hieß es: umräumen, aufräumen, Platz schaffen. Interessanterweise ist er dann ebenfalls in Holzhäuser in der Mondorferstr. umgezogen.

40er Grab? - „Hier ruhen drei bei der Verteidigung gefallene 40er des 40sten Hohenzollernschen Füsilierregimentes aus Trier „ - von den Franzosen am 2.8.1870 bestattet, als diese auf dem Rückzug nach Spichern waren.

Thomas Paulußen

 

 

 


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